// Fachpresse
02.05.2008 - BZA-Arbeitgebertag Zeitarbeit 2008
Unter dem Motto „Arbeitsmarkt von morgen“ veranstaltete der BZA am 23. April seinen Arbeitgebertag Zeitarbeit 2008 in Köln. Den rund 150 Besuchern des Kongresses bot sich ein informatives und unterhaltsames Programm mit aktuellen Themen. Ludger Hinsen, Hauptgeschäftsführer des BZA, betonte in der Eröffnung, die öffentliche Aufmerksamkeit gegenüber der Zeitarbeit werde stetig größer. Dabei stünden Themen wie Branchenmindestlohn, Re-Regulierung, Equal Pay und Equal Treatment im Vordergrund. Aufmerksamkeit für sich und seine Sache zu haben sei positiv, so Hinsen, er sehe allerdings auch die Gefahr, bemerkte Hinsen kritisch, „dass wir mit unseren Themen in die Mühlen der Politik geraten könnten“. Dem gelte es nun entgegenzuwirken.
Das Highlight des Arbeitgebertages Zeitarbeit 2008 war sicherlich das Streitgespräch. „Mindestlohn und Tarifpolitik in der Zeitarbeit. Wie kann es 2009 weitergehen?“ war das Thema der Diskutanten Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, Karl-Josef Laumann, Arbeitsminister NRW und Bundesvorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Dr. jur. Luitwin Mallmann, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Metall NRW, und BZA-Hauptgeschäftsführer Ludger Hinsen.
Für Detlef Wetzel und die IG Metall gäbe es derzeit drei Ziele, die die Zeitarbeit betreffen: Zum einen mache sich die IG Metall stark für die Aufnahme der Branche in das Arbeitnehmer-Entsendegesetz, um einen Mindestlohn in der Zeitarbeit zu erreichen. Dazu bräuchte man Partner in der Politik, so Wetzel, und appellierte an den nordrhein-westfälischen Arbeitsminister Laumann (CDU), seine Partei von der Notwendigkeit eines Branchenmindestlohnes zu überzeugen. Zweites Ziel der IG Metall sei der Abschluss von Tarifverträgen in der Zeitarbeit, die auskömmlich seien. Und als drittes Ziel strebe die IG Metall „Gleiche Arbeit – Gleiches Geld“ an. An die Zeitarbeit gerichtet sagte Wetzel, die Branche müsse sich überlegen, was sie für die Zukunft wolle. Eine künftige Sozialpartnerschaft werde sich daran messen, ob die Zeitarbeit ihre Rolle aufgeben wolle, die seiner Meinung auch darin bestünde Stammarbeitsplätze zu vernichten. Seit 2004, mit der Deregulierung der Zeitarbeit, würden in zunehmendem Maße Stammarbeitsplätze durch Zeitarbeit ersetzt. „Das ursprüngliche Flexibilisierungsinteresse ist weitgehend weggefallen“, so Wetzel und verwies auf eine aktuelle WSI-Studie unter Betriebsräten. Wetzel sagte auch, die IG Metall wolle mit ihrer Kampagne nicht eine ganze Branche verunglimpfen. Er sehe, dass IG Metall und die anderen Gewerkschaften auch ein Teil des Problems seien, denn die Betriebsräte redeten oft gar nicht mit den Zeitarbeitnehmern. Wetzel appellierte an dieser Stelle, dass Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter miteinander ins Gespräch kommen müssten.
NRW-Arbeitsminister Laumann sagte, wegen der Verschiebung des Termins für die EU-Osterweiterung von 2009 auf 2011 sei ein Mindestlohn für die Zeitarbeitbranche in naher Zukunft eher unwahrscheinlich geworden. Dies habe die Kanzlerin in einer Präsidiumssitzung klargemacht. Laumann erklärte, eine Entsendeproblematik durch ausländische Arbeitskräfte wie etwa in der Bauwirtschaft werde es vor 2011 nun nicht geben. „Wie sollte man die Aufnahme einer Branche mit nahezu 100 Prozent Tarifbindung und ohne Entsendeproblematik jetzt rechtfertigen?“, fragte Laumann. Die Mindestlohn-Debatte müsse man führen, wenn die Grenzen tatsächlich geöffnet würden. Außerdem sei die Frage der Tarifkonkurrenz nicht geklärt: Ein Mindestlohn läge über den Tarifverträgen von AMP und Christlichen Gewerkschaften. „Das wird wohl die Gerichte beschäftigen“, meinte Laumann. Er rate der Branche dringend, sich auf einen Tarifvertrag zu einigen, um klare Verhältnisse zu schaffen.
Auch Dr. Luitwin Mallmann, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Metall NRW, wandte sich deutlich gegen einen Branchenmindestlohn in der Zeitarbeit. Solange es keine Entsendeproblematik gebe, sei eine Aufnahme der Zeitarbeit in das Entsendegesetz entbehrlich. Die Zeitarbeit sei auch kein Niedriglohnsektor, argumentierte er, der Durchschnitt aller Zeitarbeitnehmer habe die 9-EURO-Grenze längst überschritten. Er berichtete weiter, dass in den Unternehmen der Metallindustrie mittlerweile der Klebeeffekt bei 25 bis 40 Prozent läge, dies sei ganz normal, wenn ein Mitarbeiter gut arbeite. Aus Sicht der Metall-Unternehmer seien die schwarzen Schafe unter den Zeitarbeitunternehmen nicht die Regel, ganz im Gegenteil. Den Aufschwung der Zeitarbeit sieht Mallmann begründet in den restriktiven arbeitsrechtlichen Regelungen. Auch Mallmann forderte die Arbeitgeberverbände der Zeitarbeit auf, zu einem einheitlichen Tarifwerk zu kommen.
BZA-Hauptgeschäftsführer Ludger Hinsen sieht bereits jetzt eine Entsendeproblematik und betonte die Notwendigkeit, rechtzeitig vor der Öffnung der EU in Richtung der osteuropäischen Länder einen tariflichen Mindestlohn für die Zeitarbeit durchzusetzen. Bereits jetzt gründeten sich in osteuropäischen Ländern nicht nur Zeitarbeitunternehmen, sondern auch Verbände, die bei Ciett und Eurociett schon jetzt vorstellig würden. Um faire Wettbewerbsbedingungen in Deutschland zu ermöglichen, müssten die Rahmenbedingungen stimmen und dazu gehöre nun einmal der Mindestlohn in der Zeitarbeit. Hinsen appellierte an Arbeitsminister Laumann, die Merseburger Beschlüsse im Hinblick auf den Mindestlohn für die Zeitarbeit ernst zu nehmen und die Branche ins Arbeitnehmer-Entsendegesetz aufzunehmen.
Auch Präsident Enkerts betonte, dass die CDU damit hinter den Beschlüssen im Koalitionsausschuss bleiben würde. Schließlich habe die Zeitarbeit als eine von acht Branchen den Antrag auf Aufnahme in das Arbeitnehmer-Entsendegesetz gestellt. Gemeinsam mit dem Schwesterverband iGZ würde man rund zwei Drittel der Beschäftigten abbilden und damit eine wesentliche Voraussetzung erfüllen.
Hauptgeschäftsführer Hinsen bezeichnete außerdem die aktuelle IG Metall-Kampagne gegen Zeitarbeit als geradezu zynisch: Die IG Metall selbst sei es, die für einen schlechten Ruf der Zeitarbeit in Deutschland sorge. Er betonte: „Zeitarbeit bringt viele Menschen in Arbeit, die ansonsten auf dem Arbeitsmarkt keine Chance hätten.“ Und an IG Metall-Vize Wetzel gewandt, fragte er: „Mit dieser Kampagne müssen Sie sich fragen lassen, ob Sie als unser Sozialpartner unsere gemeinsamen Tarifverträge überhaupt ernst nehmen.“ Mit der Kampagne, so Hinsen, gehe es der IG Metall nur um Mitgliedergewinnung – und das auf Kosten der Zeitarbeit.
Am Vormittag machte Ferdinand Linzenich, Coach und Kommunikationsexperte, mit seinem Vortrag „Höre nie auf anzufangen…!“ den Auftakt zum Arbeitgebertag Zeitarbeit. Anhand eines Leitfadens durch ein 75-minütiges Coaching zum Thema „Die sieben Todsünden der Veränderungskultur“ schärfte er durch einen Perspektivwechsel den Blick der Zuhörer für die komplexen Anforderungen und Konsequenzen ihrer Arbeit. Anschaulich sensibilisierte er die Teilnehmer dafür, wie wichtig es sei, Veränderungsprozesse als etwas Notwendiges anzusehen und als Chance zu erkennen, wie man Mitarbeiter bei solchen Prozessen mitnimmt und wie stark die Unternehmenskultur vom Verhalten jeder einzelnen Führungskraft abhängig ist.
Unter dem Titel „Eduployment – Bildung und Beschäftigung im Zeichen der wirtschaftlichen Megatrends“ zeigte Dr. Hans-Peter Klös, Geschäftsführer und Leiter des Wissenschaftsbereichs Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, die derzeitigen Megatrends der Wirtschaft - Globalisierung, Tertiarisierung, Informatisierung, Alterung, Individualisierung – und deren Folgen und Herausforderungen für den Arbeitsmarkt und das Bildungssystem auf. Aus seiner Sicht sei das Leitbild der Zukunft „Eduployment“, ein Zwei-Säulen-Modell. Die eine Säule sei die Bildung von Humanvermögen mit dem Ziel, beruflichen Aufstieg durch Bildung zu schaffen. Die zweite Säule basiere auf Erwerbszentrierung, hier mit dem Ziel, den Einstieg durch Arbeit zu schaffen.
Nachmittags hatten die Besucher die Wahl zwischen verschiedenen Themen: Unter dem Oberthema I „Qualifizierungsmodelle externer Mitarbeiter. Mitglieder stellen ihre Projekte vor.“ referierten BZA-Bezirkssprecherin Südbaden Sylvia Selinger (acrobat Personaldienstleistungen) und BZA-Vorstand Wilhelm Oberste-Beulmann (START Zeitarbeit NRW) zur „Verbundausbildung“, BZA-Bezirkssprecher Bodensee-Oberschwaben Sven Füssinger (Seibert GmbH) berichtete über seine Erfahrungen in der „Kooperationsfortbildung mit Einsatzbetrieben“ und Hans-Peter Brömser (Randstad-Stiftung) erläuterte das Randstad-Modell „Lernen im Job“.
Einen Blick auf Europa werfen konnten Interessierte bei Thema II: „2,1 Millionen Jobs in Europa bis 2012“. Dr. Reinhold Henseler, BZA-Beauftragter Internationales, präsentierte die Eurociett-Studie. Die Studie zeige in einzigartiger Weise auf, dass Deregulierung und sozial-kulturelle Akzeptanz die wichtigsten Wachstumsfaktoren für die Zeitarbeitbranche sind.
Heinrich Moethe vom Berufsförderungswerk Nürnberg erläuterte bei Thema III „Mitarbeiterbindung und -gewinnung im Hinblick auf ältere Arbeitnehmer“ und die damit verbundenen Herausforderungen für Unternehmen. Diese Herausforderungen lägen wesentlich darin, dass sich die Altersstrukturen in Unternehmen verändern werden: Es werde mehr ältere Arbeitnehmer und immer weniger junge Mitarbeiter geben, da nun die geburtenschwachen Jahrgänge ins Erwerbsleben einträten. Diesem Problem könne in Unternehmen nur entgegnet werden, wenn der Wissenstransfer zwischen älteren und jungen Mitarbeitern (sog. Intergenerativer Diskurs) gefördert werde. Unternehmen im demographischen Wandel würden dann zu altersgerechten Unternehmen, zu lernenden Unternehmen. Nur wenn Ältere ihr langjährig erworbenes individuelles Erfahrungswissen und Jüngere ihr Wissen über moderne (insbes. digitale) Entwicklungen austauschen, können Unternehmen künftig wirtschaftlich erfolgreich arbeiten.
Unter dem Motto „Arbeitsmarkt von morgen“ veranstaltete der BZA am 23. April seinen Arbeitgebertag Zeitarbeit 2008 in Köln. Den rund 150 Besuchern des Kongresses bot sich ein informatives und unterhaltsames Programm mit aktuellen Themen. Ludger Hinsen, Hauptgeschäftsführer des BZA, betonte in der Eröffnung, die öffentliche Aufmerksamkeit gegenüber der Zeitarbeit werde stetig größer. Dabei stünden Themen wie Branchenmindestlohn, Re-Regulierung, Equal Pay und Equal Treatment im Vordergrund. Aufmerksamkeit für sich und seine Sache zu haben sei positiv, so Hinsen, er sehe allerdings auch die Gefahr, bemerkte Hinsen kritisch, „dass wir mit unseren Themen in die Mühlen der Politik geraten könnten“. Dem gelte es nun entgegenzuwirken.
Das Highlight des Arbeitgebertages Zeitarbeit 2008 war sicherlich das Streitgespräch. „Mindestlohn und Tarifpolitik in der Zeitarbeit. Wie kann es 2009 weitergehen?“ war das Thema der Diskutanten Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, Karl-Josef Laumann, Arbeitsminister NRW und Bundesvorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Dr. jur. Luitwin Mallmann, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Metall NRW, und BZA-Hauptgeschäftsführer Ludger Hinsen.
Für Detlef Wetzel und die IG Metall gäbe es derzeit drei Ziele, die die Zeitarbeit betreffen: Zum einen mache sich die IG Metall stark für die Aufnahme der Branche in das Arbeitnehmer-Entsendegesetz, um einen Mindestlohn in der Zeitarbeit zu erreichen. Dazu bräuchte man Partner in der Politik, so Wetzel, und appellierte an den nordrhein-westfälischen Arbeitsminister Laumann (CDU), seine Partei von der Notwendigkeit eines Branchenmindestlohnes zu überzeugen. Zweites Ziel der IG Metall sei der Abschluss von Tarifverträgen in der Zeitarbeit, die auskömmlich seien. Und als drittes Ziel strebe die IG Metall „Gleiche Arbeit – Gleiches Geld“ an. An die Zeitarbeit gerichtet sagte Wetzel, die Branche müsse sich überlegen, was sie für die Zukunft wolle. Eine künftige Sozialpartnerschaft werde sich daran messen, ob die Zeitarbeit ihre Rolle aufgeben wolle, die seiner Meinung auch darin bestünde Stammarbeitsplätze zu vernichten. Seit 2004, mit der Deregulierung der Zeitarbeit, würden in zunehmendem Maße Stammarbeitsplätze durch Zeitarbeit ersetzt. „Das ursprüngliche Flexibilisierungsinteresse ist weitgehend weggefallen“, so Wetzel und verwies auf eine aktuelle WSI-Studie unter Betriebsräten. Wetzel sagte auch, die IG Metall wolle mit ihrer Kampagne nicht eine ganze Branche verunglimpfen. Er sehe, dass IG Metall und die anderen Gewerkschaften auch ein Teil des Problems seien, denn die Betriebsräte redeten oft gar nicht mit den Zeitarbeitnehmern. Wetzel appellierte an dieser Stelle, dass Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter miteinander ins Gespräch kommen müssten.
NRW-Arbeitsminister Laumann sagte, wegen der Verschiebung des Termins für die EU-Osterweiterung von 2009 auf 2011 sei ein Mindestlohn für die Zeitarbeitbranche in naher Zukunft eher unwahrscheinlich geworden. Dies habe die Kanzlerin in einer Präsidiumssitzung klargemacht. Laumann erklärte, eine Entsendeproblematik durch ausländische Arbeitskräfte wie etwa in der Bauwirtschaft werde es vor 2011 nun nicht geben. „Wie sollte man die Aufnahme einer Branche mit nahezu 100 Prozent Tarifbindung und ohne Entsendeproblematik jetzt rechtfertigen?“, fragte Laumann. Die Mindestlohn-Debatte müsse man führen, wenn die Grenzen tatsächlich geöffnet würden. Außerdem sei die Frage der Tarifkonkurrenz nicht geklärt: Ein Mindestlohn läge über den Tarifverträgen von AMP und Christlichen Gewerkschaften. „Das wird wohl die Gerichte beschäftigen“, meinte Laumann. Er rate der Branche dringend, sich auf einen Tarifvertrag zu einigen, um klare Verhältnisse zu schaffen.
Auch Dr. Luitwin Mallmann, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Metall NRW, wandte sich deutlich gegen einen Branchenmindestlohn in der Zeitarbeit. Solange es keine Entsendeproblematik gebe, sei eine Aufnahme der Zeitarbeit in das Entsendegesetz entbehrlich. Die Zeitarbeit sei auch kein Niedriglohnsektor, argumentierte er, der Durchschnitt aller Zeitarbeitnehmer habe die 9-EURO-Grenze längst überschritten. Er berichtete weiter, dass in den Unternehmen der Metallindustrie mittlerweile der Klebeeffekt bei 25 bis 40 Prozent läge, dies sei ganz normal, wenn ein Mitarbeiter gut arbeite. Aus Sicht der Metall-Unternehmer seien die schwarzen Schafe unter den Zeitarbeitunternehmen nicht die Regel, ganz im Gegenteil. Den Aufschwung der Zeitarbeit sieht Mallmann begründet in den restriktiven arbeitsrechtlichen Regelungen. Auch Mallmann forderte die Arbeitgeberverbände der Zeitarbeit auf, zu einem einheitlichen Tarifwerk zu kommen.
BZA-Hauptgeschäftsführer Ludger Hinsen sieht bereits jetzt eine Entsendeproblematik und betonte die Notwendigkeit, rechtzeitig vor der Öffnung der EU in Richtung der osteuropäischen Länder einen tariflichen Mindestlohn für die Zeitarbeit durchzusetzen. Bereits jetzt gründeten sich in osteuropäischen Ländern nicht nur Zeitarbeitunternehmen, sondern auch Verbände, die bei Ciett und Eurociett schon jetzt vorstellig würden. Um faire Wettbewerbsbedingungen in Deutschland zu ermöglichen, müssten die Rahmenbedingungen stimmen und dazu gehöre nun einmal der Mindestlohn in der Zeitarbeit. Hinsen appellierte an Arbeitsminister Laumann, die Merseburger Beschlüsse im Hinblick auf den Mindestlohn für die Zeitarbeit ernst zu nehmen und die Branche ins Arbeitnehmer-Entsendegesetz aufzunehmen.
Auch Präsident Enkerts betonte, dass die CDU damit hinter den Beschlüssen im Koalitionsausschuss bleiben würde. Schließlich habe die Zeitarbeit als eine von acht Branchen den Antrag auf Aufnahme in das Arbeitnehmer-Entsendegesetz gestellt. Gemeinsam mit dem Schwesterverband iGZ würde man rund zwei Drittel der Beschäftigten abbilden und damit eine wesentliche Voraussetzung erfüllen.
Hauptgeschäftsführer Hinsen bezeichnete außerdem die aktuelle IG Metall-Kampagne gegen Zeitarbeit als geradezu zynisch: Die IG Metall selbst sei es, die für einen schlechten Ruf der Zeitarbeit in Deutschland sorge. Er betonte: „Zeitarbeit bringt viele Menschen in Arbeit, die ansonsten auf dem Arbeitsmarkt keine Chance hätten.“ Und an IG Metall-Vize Wetzel gewandt, fragte er: „Mit dieser Kampagne müssen Sie sich fragen lassen, ob Sie als unser Sozialpartner unsere gemeinsamen Tarifverträge überhaupt ernst nehmen.“ Mit der Kampagne, so Hinsen, gehe es der IG Metall nur um Mitgliedergewinnung – und das auf Kosten der Zeitarbeit.
Am Vormittag machte Ferdinand Linzenich, Coach und Kommunikationsexperte, mit seinem Vortrag „Höre nie auf anzufangen…!“ den Auftakt zum Arbeitgebertag Zeitarbeit. Anhand eines Leitfadens durch ein 75-minütiges Coaching zum Thema „Die sieben Todsünden der Veränderungskultur“ schärfte er durch einen Perspektivwechsel den Blick der Zuhörer für die komplexen Anforderungen und Konsequenzen ihrer Arbeit. Anschaulich sensibilisierte er die Teilnehmer dafür, wie wichtig es sei, Veränderungsprozesse als etwas Notwendiges anzusehen und als Chance zu erkennen, wie man Mitarbeiter bei solchen Prozessen mitnimmt und wie stark die Unternehmenskultur vom Verhalten jeder einzelnen Führungskraft abhängig ist.
Unter dem Titel „Eduployment – Bildung und Beschäftigung im Zeichen der wirtschaftlichen Megatrends“ zeigte Dr. Hans-Peter Klös, Geschäftsführer und Leiter des Wissenschaftsbereichs Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, die derzeitigen Megatrends der Wirtschaft - Globalisierung, Tertiarisierung, Informatisierung, Alterung, Individualisierung – und deren Folgen und Herausforderungen für den Arbeitsmarkt und das Bildungssystem auf. Aus seiner Sicht sei das Leitbild der Zukunft „Eduployment“, ein Zwei-Säulen-Modell. Die eine Säule sei die Bildung von Humanvermögen mit dem Ziel, beruflichen Aufstieg durch Bildung zu schaffen. Die zweite Säule basiere auf Erwerbszentrierung, hier mit dem Ziel, den Einstieg durch Arbeit zu schaffen.
Nachmittags hatten die Besucher die Wahl zwischen verschiedenen Themen: Unter dem Oberthema I „Qualifizierungsmodelle externer Mitarbeiter. Mitglieder stellen ihre Projekte vor.“ referierten BZA-Bezirkssprecherin Südbaden Sylvia Selinger (acrobat Personaldienstleistungen) und BZA-Vorstand Wilhelm Oberste-Beulmann (START Zeitarbeit NRW) zur „Verbundausbildung“, BZA-Bezirkssprecher Bodensee-Oberschwaben Sven Füssinger (Seibert GmbH) berichtete über seine Erfahrungen in der „Kooperationsfortbildung mit Einsatzbetrieben“ und Hans-Peter Brömser (Randstad-Stiftung) erläuterte das Randstad-Modell „Lernen im Job“.
Einen Blick auf Europa werfen konnten Interessierte bei Thema II: „2,1 Millionen Jobs in Europa bis 2012“. Dr. Reinhold Henseler, BZA-Beauftragter Internationales, präsentierte die Eurociett-Studie. Die Studie zeige in einzigartiger Weise auf, dass Deregulierung und sozial-kulturelle Akzeptanz die wichtigsten Wachstumsfaktoren für die Zeitarbeitbranche sind.
Heinrich Moethe vom Berufsförderungswerk Nürnberg erläuterte bei Thema III „Mitarbeiterbindung und -gewinnung im Hinblick auf ältere Arbeitnehmer“ und die damit verbundenen Herausforderungen für Unternehmen. Diese Herausforderungen lägen wesentlich darin, dass sich die Altersstrukturen in Unternehmen verändern werden: Es werde mehr ältere Arbeitnehmer und immer weniger junge Mitarbeiter geben, da nun die geburtenschwachen Jahrgänge ins Erwerbsleben einträten. Diesem Problem könne in Unternehmen nur entgegnet werden, wenn der Wissenstransfer zwischen älteren und jungen Mitarbeitern (sog. Intergenerativer Diskurs) gefördert werde. Unternehmen im demographischen Wandel würden dann zu altersgerechten Unternehmen, zu lernenden Unternehmen. Nur wenn Ältere ihr langjährig erworbenes individuelles Erfahrungswissen und Jüngere ihr Wissen über moderne (insbes. digitale) Entwicklungen austauschen, können Unternehmen künftig wirtschaftlich erfolgreich arbeiten.
