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14.06.2019 - 10:42 Uhr

5 Fragen an Désirée Lang, Expert Employer Branding & Personalmarketing, JOB AG

Désirée Lang ist Diplom-Kauffrau und seit über zehn Jahren bei der JOB AG tätig. Als Expertin für das Thema Employer Branding & Personalmarketing beschäftigt sie sich unter anderem mit aktuellen Recruitingtrends und Strategien zur Bewerbergewinnung. Dabei folgt sie den Fragen: „Wo finden wir die geeignetsten Bewerber für unsere Segmente, wie müssen wir diese ansprechen und welche Möglichkeiten bieten digitale Tools?“ Im Interview berichtet sie von ihren Erfahrungen und gibt einen Ausblick.

Frau Lang, aus Ihrer praktischen Erfahrung heraus: Worin unterscheidet sich die Generation Z hinsichtlich ihrer Einstellung zur Arbeitswelt von den Generationen vor ihr?

Einer der gravierendsten Unterschiede ist, dass die Generation Z im Vergleich zur Generation Y Arbeit und Privatleben wieder strikter trennt. Sie will klare Strukturen bei gleichzeitigem Wunsch nach einer ausgewogenen Work-Life-Balance und sie sucht nach Arbeitgebern, die ihr genau das bieten. Mit den neuen Medien steht ihr dafür ein machtvolles Tool zur Verfügung. Unternehmen werden vergleichbar wie nie. Bewertungen in einschlägigen Portalen zeigen recht schnell auf, ob Unternehmen nur vorgeben „modern“ zu sein, oder ob sie die vorgegebenen Werte wirklich leben. Dies zusammen mit dem Mangel an qualifizierten Nachwuchskräften führt zu einer Machtverschiebung. Heute müssen sich nicht mehr die Bewerber für die Unternehmen attraktiv machen, sondern die Unternehmen müssen sich für Bewerber attraktiv machen. 


Wie wird bei der JOB AG vorgegangen, um Digital Talents zu erreichen? Welche Kanäle, abseits der klassischen Stellenanzeigen, bespielen Sie?

Die Digital Natives werden auch die Kopf-runter- bzw. Always-on-Generation genannt. Das Smartphone ist ihr ständiger Begleiter und Social-Media-Kanäle sind fester Bestandteil ihres Lebens. Um sie zu erreichen, müssen wir genau dort präsent sein. Deshalb haben und pflegen wir zielgruppenspezifisch unsere Profile auf XING, LinkedIn, Facebook, Instagram und YouTube. Selbstverständlich sind auch Arbeitgeberplattformen von überragender Bedeutung und News verbreiten wir über unseren Unternehmensblog, der von Mitarbeitern gefüllt wird. Das schafft Authentizität. Um das Digitale auch intern zu leben, haben wir für unsere internen Kollegen seit Neuestem das Intranet abgeschafft und durch ein Social Network ersetzt. Dies ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg der Digitalisierung unseres Unternehmens. Die Plattform optimiert die interne Kommunikation und ermöglicht den barrierefreien und deutlich schnelleren Austausch zwischen allen Kollegen. Wir sind davon überzeugt, dass aktive Kommunikation und Interaktion Zufriedenheit am Arbeitsplatz sowie eine lebendige Unternehmenskultur schafft.


Welche Möglichkeiten bietet die Digitalisierung bei der Rekrutierung von Digital Talents?

Die Digitalisierung bietet fast unendliche Möglichkeiten. Informationen lassen sich, auch barrierefrei, schneller austauschen, man kann Anliegen rund um die Uhr loswerden und Öffnungszeiten wirken wie eine Eigenheit des letzten Jahrtausends. Auch das Matching erleichtert sich erheblich. Wie gut der Job zum Kandidaten passt lässt sich noch passgenauer abgleichen. Chatbots können heute schon Standardprozesse abnehmen, was den Personaler wieder mehr zum Gestalter als zum Verwalter macht. Zudem werden für HR-Abteilungen Datenanalysen, speziell People Analytics, von unglaublichem Mehrwert sein. In Zukunft werden Unternehmen Menschen in Organisationen aufgrund von Datenanalysen so auswerten, dass sie genau wissen, wer im Unternehmen das Unternehmen bald verlassen wird. Aber: Bei aller Technik ist es überaus wichtig, dass der Mensch weiterhin im Mittelpunkt des Handelns steht und die Nähe und der persönliche Kontakt nicht verloren geht.


Welche ungewöhnlichen, kreativen Rekrutierungsansätze von Unternehmen sind Ihnen hier schon begegnet? 

Interessant finde ich den Ansatz eines Streamingdienstes. Er verzichtet bei der Bewerbung vollständig auf den Lebenslauf, sondern hat stattdessen eine Untersuchung aufgrund aller Mitarbeiterdaten durchgeführt und sich die Frage gestellt: Was haben High Performer bei uns im Unternehmen gemeinsam? Das Ergebnis überrascht nicht wirklich, wurde aber klar bestätigt: Alle High Performer sind musikalisch bzw. besitzen eine ausgeprägte Affinität zur Musik. Daher konzentriert sich das Unternehmen auf neue Rekrutierungsmärkte und Touchpoints wie Musikschulen, Konzerte, Online-Musikplattformen usw.


Warum sollte sich ein Digital Talent für einen Personaldienstleister entscheiden? Wo liegen für ihn die Vorteile gegenüber einer Anstellung in einem Unternehmen?

Wir kennen den Arbeitsmarkt, sind gut vernetzt und arbeiten mit den besten Arbeitgebern Deutschlands zusammen. Kandidaten haben eine breite Auswahl an Einsatzmöglichkeiten und können sich unter den Angeboten diejenigen aussuchen, die für sie am interessantesten sind. Dabei können wir sie mithilfe modernster Matching-Technologien und unserer Marktkenntnis passgenau unterstützen. Viele schätzen zudem die Projektarbeit, weil sie viel Abwechslung bringt. Man macht nicht jahrelang denselben Job, sondern man lernt immer wieder Neues kennen. Gerade für die Zukunft ist die Fähigkeit, sich immer wieder in neuen Teams bewegen und neue Inhalte erlernen zu können, überaus wichtig. Bei dieser Entwicklung helfen und unterstützen wir Kandidaten, wo wir nur können. 

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