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30.04.2020 - 09:00 Uhr

KI im Personalbereich – Fluch, Segen oder beides?

Das Stichwort Künstliche Intelligenz (KI) ist derzeit sehr präsent und steht für ungeahnte technische Möglichkeiten in nahezu allen Branchen. Doch welche Chancen KI für den Bereich Human Resources bereithält, erschließt sich vielen Personalern und Recruitern bislang nicht. Mehr noch: Sowohl HRler als auch Kandidaten reagieren auf KI häufig noch mit großer Skepsis. Ursache ist meist die Annahme, dass die Fähigkeit von KI, autonom zu arbeiten, gleichzeitig bedeutet, dass KI nicht vollständig von Menschen kontrolliert werden kann. Dem ist aber nicht so. Vielmehr unterstützen und kontrollieren sich beide Seiten und lernen im wahrsten Sinne des Wortes voneinander.

KI in der Personalbeschaffung

Für die Personalbeschaffung bedeutet KI vor allem die Möglichkeit, große Mengen an Bewerberdaten schnell und kostengünstig zu analysieren und zu interpretieren, urteilt beispielsweise der Human Resources Manager, ein Fachmagazin rund um die zentralen Themen des Personalmanagements. KI werde bereits heute vielfach im Recruiting eingesetzt, unter anderem in Form des Scannens von CVs oder im Rahmen von Online Assessments. Auch innovative Persönlichkeitsfragebögen und Fähigkeitstests nutzen auf mehreren Ebenen eine Form der KI, indem sie sich zum Beispiel während der Bearbeitung an die individuelle Persönlichkeitsausprägung bzw. an das individuelle Fähigkeitsniveau des Kandidaten anpassen. Darüber hinaus wird bei innovativen Verfahren auch die Auswertung und die Generierung individueller Ergebnisberichte vollständig durch KI automatisiert.

Mit der steigenden Anwendung von Videointerview-Tools in frühen Phasen des Bewerbungsprozesses eröffnet sich nach Ansicht des Verfassers ein neuer Schlüsselbereich für eine effizienzorientierte Anwendung von KI. Während der Einsatz von Videointerviews an sich den Bewerbungsprozess sowohl für Unternehmen als auch für Bewerber effizienter macht, erfordere die manuelle Verarbeitung der einzelnen Videointerviews nach wie vor einen erheblichen Zeit- und Arbeitsaufwand. Mithilfe von KI können diese Prozesse automatisiert werden, um eine schnelle und objektive Analyse zu gewährleisten.

KI in anderen Branchen

Um zu sehen, welche Möglichkeiten KI bieten, lohnt sich ein Blick über den Rand der HR-Branche hinaus. So berichtet die Digital Hub Initiative, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ins Leben gerufen wurde, unter anderem vom InsurTech-Start-up CLARK. Im Zentrum ihrer Geschäftsidee steht ein Chatbot, dessen Aufgabe darin besteht, die Kunden von Versicherungsunternehmen zu beraten. Auf Basis der Angaben und Daten, die CLARK im Vorfeld von den Kunden erfragt, analysiert er deren genauen Versicherungsstatus und macht prompt individuelle Optimierungsvorschläge. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz verschafft dabei vor allem einen zeitlichen Vorteil: Ohne KI wären in dieser Geschwindigkeit keine individuellen Optimierungsvorschläge möglich.

KI in der Praxis

Ein anderes Beispiel beschreibt Holger Hornik, Team Cognitive Analytics beim IT-Dienstleister msg, in der Computerwoche: Die Portfoliomanager eines großen deutschen Rückversicherers sollen stets über die Nachrichten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft informiert sein, um Chancen und Risiken zu erkennen. Dazu suchten bisher Menschen im Internet täglich nach News und stellten sie von Hand zusammen, um sie als News-Mail den Portfoliomanagern zuzuschicken. Dies war nicht nur zeitintensiv, sondern auch oft so allgemein, dass die Manager selten die News lasen. So wurde eine „künstliche Intelligenz“ in Form eines Annotators entwickelt, der die News durchsucht und ordnet – etwa nach Orten, nach Relevanz für eine bestimmte Business Unit des Rückversicherers, nach Zuordnung zu einem Portfolio. Ein E-Mail-Client verschickt dann die zusammengestellten News individuell und zielgruppengerecht. Der Aufwand, so Hornik, war überschaubar, die Zeit- und Kostenersparnis dagegen enorm.

 

Quellen:

Human Resources Manager

https://www.humanresourcesmanager.de/news/ki-im-hr-talentstrategie-neu-gedacht-sponsored-nicht-vollstaendig.html

Computerwoche

https://www.computerwoche.de/a/best-practice-fuer-den-erfolgreichen-ki-einsatz,3545993,2

Digital Hub Initiative

https://www.de-hub.de/blog/d/kuenstliche-intelligenz-in-der-praxis-diese-startups-setzen-auf-ki-1/

 

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