Häusliche Pflege und Berufstätigkeit

Wird ein Familienmitglied pflegebedürftig, stehen Berufstätige vor einer großen Herausforderung. Besonders die Pflege im gewohnten Umfeld zu Hause verlangt zeitliche Flexibilität. Das 2015 in Kraft getretene Gesetz zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf soll Arbeitnehmern die berufliche Auszeit zur Pflege ihrer Angehörigen erleichtern. Die wichtigsten Regelungen haben wir für Sie zusammengefasst.

Das Gesetz zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf ergänzt die Regelungen im Pflegezeitgesetz (PflegeZG) und im Familienpflegezeitgesetz (FPfZG). Die Leistungen rund um die Pflege können Sie für alle nahen Angehörigen beanspruchen: Großeltern, Eltern (leibliche Eltern, Schwiegereltern, Stiefeltern), Partner (Ehegatten, Lebenspartner, Partner in eheähnlicher oder lebenspartnerschaftsähnlicher Gemeinschaft), Geschwister (eigene und Geschwister der Ehegatten/Lebenspartner sowie Ehegatten/Lebenspartner der Geschwister), Kinder (leibliche Kinder, Adoptiv- oder Pflegekinder sowie Kinder, Adoptiv- oder Pflegekinder der Lebenspartner/Ehegatten), Schwiegerkinder und Enkelkinder.

Akute Pflegesituation

Tritt unerwartet ein akuter Pflegebedarf auf, können Sie Ihrer Arbeit bis zu zehn Arbeitstage ohne vorherige Ankündigung fernbleiben, um die Pflege zu organisieren. Dieses Recht gilt unabhängig von der Größe des Unternehmens (§ 2 - PflegeZG). Sie müssen für diesen Zeitraum keinen kompletten Lohnausfall befürchten: Für insgesamt zehn Arbeitstage können Sie Pflegeunterstützungsgeld bei der Pflegeversicherung Ihres Angehörigen beantragen (§ 44a Absatz 3 des Elften Buches Sozialgesetzbuch).

Pflegezeit und Begleitung in der letzten Lebensphase

Pflegen Sie einen Angehörigen zu Hause (Kinder auch in außerhäuslicher Umgebung), können Sie sich für bis zu sechs Monate teilweise oder vollständig von Ihrer Arbeit freistellen lassen (§ 3 PflegeZG).
Ist ein Familienangehöriger schwer erkrankt und eine Heilung ausgeschlossen, können Sie eine vollständige oder teilweise Auszeit von bis zu drei Monaten nehmen, um sich in Würde zu verabschieden. Die Pflege in häuslicher Umgebung ist dabei nicht vorausgesetzt. Sie können diese Freistellung auch in Anspruch nehmen, wenn Ihr Angehöriger in einem Hospiz gepflegt wird.

Der Rechtsanspruch für diese beiden Arten der Auszeit gilt für Unternehmen mit mehr als 15 Beschäftigten. Spätestens zehn Tage vor dem Beginn der Freistellung müssen Sie Ihrem Arbeitgeber die Auszeit ankündigen.

Familienpflegezeit

Wird eine längere Pflege zu Hause notwendig, können Sie Familienpflegezeit für bis zu 24 Monate beanspruchen. Für pflegebedürftige Kinder gilt dieser Freistellungsanspruch sowohl für eine Betreuung in häuslicher als auch in außerhäuslicher Umgebung (§ 2 FPfZG). In dieser Zeit können Sie Ihre wöchentliche Arbeitszeit auf bis zu 15 Stunden reduzieren. Die Mindestarbeitszeit kann flexibel aufgeteilt werden. Wichtig ist, dass Sie die 15 Wochenstunden im Durchschnitt eines Jahres einhalten.

Einen Rechtsanspruch haben Sie, wenn in Ihrem Unternehmen mehr als 25 Beschäftigte tätig sind. Ihren Arbeitgeber müssen Sie mindestens acht Wochen vor dem geplanten Beginn der Familienpflegezeit informieren.

Gesamtdauer und Finanzierung

Die verschiedenen Arten der Freistellung können kombiniert werden, allerdings ist die Gesamtdauer auf 24 Monate begrenzt. Die Auszeiten müssen unmittelbar aufeinander folgen, eine zeitliche Unterbrechung ist nicht möglich. Lediglich die Freistellung zur Begleitung in der letzten Lebensphase kann später in Anspruch genommen werden. Ihr Arbeitgeber darf Ihr Beschäftigungsverhältnis von der Ankündigung (maximal zwölf Wochen vor dem angekündigten Beginn) bis zum Ende der Auszeit nicht kündigen.
Für alle längerfristigen Pflegezeiten haben Sie einen Rechtsanspruch auf ein zinsloses Darlehen. Sie können dieses Darlehen direkt beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) beantragen.

Weitere Informationen

www.wege-zur-pflege.de (Infoportal des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)
Infobroschüre des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zu den gesetzlichen Regelungen

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